Der Realismus verlor nach seinem Höhepunkt im kalten Krieg immens an Bedeutung. Staaten einigten sich auf Abrüstung (Stopp des Sicherheitsdilemmas) und der Fokus wurde von Machterweiterung auf Machtsicherung gelenkt. In jüngster Vergangenheit jedoch gewann der Realismus vermehrt wieder an Bedeutung. Die russische Invasion der Ukraine zeigte ein von russischer Seite erneutes Bedürfniss der Machterweiterung. Das bis dorthin ruhende System des Realismus wurde erneut wieder erweckt. Die russische Aggression verursacht eine große Unsicherheit in der Weltpolitik. Aus Angst um die eigene Existenz beganngen andere Staaten erneut mit der Aufrüstung, um den eigenen Nationalstaat zu schützen. Damit wurde das zentrale Element des Realismus, das Sicherheitsdilemma wiederbelebt.
Diese wachsende Unsicherheit zeigt sich auch in weiteren Ereignissen in diesem Jahrzehnt. Zum einen der Konflikt zwischen China und den USA. Beide Staaten rüsten enorm millitärisch auf, und demonstrieren ihre Macht durch Raketentests und öffentliche Demütigung. Noch stärker lässt sich dies im Konflikt zwischen China und Taiwan beobachten, hier werden klare Kriegsdrohungen ausgesprochen. Auch die Einflussnahme der USA auf andere Staaten (Venezuela, Iran (welcher selbst mit der Aufrüstung von Atomwaffen beginnt)) proklamiert ein enormes Machtbedürfniss.
Es lässt sich also durchaus sagen, dass der Realismus in jüngster Vergangenheit wieder enorm an Bedeutung gewinnt und die Weltpolitik in eine angespanntere Situation versetzt.