Wie vorher schon beschrieben, ist die Anarchie der Staatenwelt im Realismus die fundamentale Struktur im internationalen System. Durch diese Anarchie entsteht eine Unsicherheit gegenüber der eigenen staatlichen Existenz. Der Realist betont jedoch noch weitere Strukturkomponenten, bspw. die Machtverteilung (Polarität). Die negativen Auswirkungen der Anarchie können nicht langfristig verringert oder überwunden werden; vielmehr bestimmt die Verteilung der Macht den engen Handlungsspielraum, den die Akteure besitzen, um ihr Überleben zu sichern. Die Machtverteilung und das Machtgleichgewicht bilden die fragile Basis für Systemstabilität oder den Ausbruch von Konflikten. Durch ihr Zusammenwirken werden die Kooperationsprobleme der internationalen Politik nicht gelöst, sondern im Zaum gehalten.
Machtverteilung
Allgemein bedeutet Machtverteilung die Anordnung von materiellen Fähigkeiten (bspw. millitärisch) im internationalen System. Gemeint ist damit, dass die relative Stärke eines Staates im Vergleich zu anderen Staaten seine Position und Sicherheit bestimmt. Demnach bestimmt die Machtverteilung, wie die zentralen Funktionen des jeweiligen Staates geschützt werden können. Da kein Staat einer übergeordneten Instanz vertrauen kann, bestimmt die Platzierung in der globalen Machthierarchie über das Schicksal des Staates.
Der Zustand der internationalen Machtverteilung (Polarität) lässt sich in drei Kategorien abstufen:
Ein einzelner Staat besitzt die absolute Machtüberlegenheit. Dies führt im Realismus zu Instabilität, da der Hegemon durch das Machtmonopol aus Sicht der anderen Staaten eine enorme Bedrohung darstellt.
Zwei Großmächte haben ca. gleich viel Einfluss. -> Machtgleichgewicht
Drei oder mehr Großmächte konkurrieren miteinander.